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Mein 1:49 Super-Balun

Selbstgebaute, an Bauvorschlägen aus dem Internet orientierte 1:49 Balune haben bisher enttäuschend funktioniert. Dabei habe ich nicht blind einem guten SWR vertraut sondern nachgemssen…was geht rein, was kommt raus. Dann habe ich meinen 1:49 Super-Balun, man möge mir den Ausdruck verzeihen aber ich musste dem Kind einen Namen geben, nach einem völlig anderen Wickleprinzip gebaut, die Vorgehensweise und die Messwerte folgen in diesem Artikel.

Ich bin im Prinzip gegen jede Art von Balun. Nur hat man als Funkamateur oft keine andere Wahl um seine Antennenprobleme in den Griff zu bekommen. Über Jahre habe ich diverse Balune…1:4, 1:9 nachgebaut und sind auch bei mir im Einsatz. Ja…sie funktionieren, es wurden aber beim Bewickeln andere Techniken angewand wie allgemein üblich, erst dann war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Oft arbeiten Balune unter Zuhilfenahme eines Antennenkopplers zufriedenstellend. Zum Thema Balune möchte ich dich einladen in anderen Artikeln zu diesem Thema zu stöbern, veröffentlich auf dieser Homepage von „L07“.

Wenn man von einem 1:49 Balun spricht meint man einen Balun der eine Eingangsimpedanz, vom Transceiver kommend, 50 Ohm hat und bei dem die optimale Antennen-Ausgangimpedanz 2450 Ohm ist, also 1×49 eben. Daraus darf man ableiten das man von diesem Balun eine Spannungsübersetzung von 1:7 erwarten darf und eine Stromübersetzung von 7:1 erwarten darf…unter optimalsten Voraussetzungen und bei Abschluss mit ohmschen Widerstand. Die angeschlossene Antenne wird einem diesen Wunsch nicht erfüllen! Bei einem Niederfrequenz-Trafo im 50 Hz-Netz darf man diese Eigenschaft erwarten. Ob sie auch im KW-Bereich, also HF, anwendbar ist konnte ich nirgendswo nachlesen, wäre aber für mich nur logisch. Denn die nach dem 1:7 Überstzungsverhältnis (1:49 Balun), hier meine ich das Windungs-Überstzungsverhältnis, gewickelten „Übertrager“ erfüllen nicht dieses Verhalten. Wie komme ich zu dieser Aussage? Ich habe alle meine selbstgebauten Übertrager, egal ob 1:1, 1:4 oder andere Wicklungsverhältnisse auf diese Eigenschaft nachgemessen. Dabei ist mir aufgefallen das der 1:1 Balun noch recht gut diese Eigenschaft erfüllt, 1Volt HF rein = 1V HF raus! Aber zu höheren Überstzungsverhältnissen hin, bleibt das Übertragungsverhalten auf der Strecke, die Verluste im Kern scheinen dafür verantwortlich zu sein. Meine Feststellung war das ein vernünftig funktionierender Balun (nach herkömmlicher Wickeltechnik) mit einem Widerstandsverhältnis von größer als 1:9 keinen Sinn mehr macht. Selbst hier war schon der Übertragungsverlust im Kern so groß das man besser zu einem Antennenkoppler ausweichen sollte als mit Baluns wie z.B. einem 1:9 oder erst gar nicht mit einem 1:49 arbeiten zu wollen. Zu den Messergebissen komme ich weiter unten in diesem Artikel. Ich möchte hier feststellen das das meine eigene Recherche ist, Fehler sind nicht ausgeschlossen. Soll aber bei dir das Interesse wecken doch einmal selber nach zu messen und nicht nur seinem VNA zu vertauen, denn ein gutes SWR macht auch eine Dummy-Load! …also weiter mit meinen Messungen. Umso mehr Übersetzungsverhältnis man auf den Ferritkern ( …immer Material 43) aufbringt um so mehr bricht die Ausgangsspannung zusammen, der Extremfall ist der 1:49 Balun bei dem keine höhere Spannung mehr rauskommt als man als Spannung einspeist. Diese Verhalten ist stark frequeuenzabhängig und wird zu höheren Frequenzen deutlich ausgeprägter. Das geht soweit das irgendwo zwischen 30 MHz -50 MHz sogar weniger Spannung an der Antenne zur Verfügung steht. Aber man merkt es nicht, das SWR gaukelt einem ein funktionierendes Antennensystem vor. Auch bilden sich je nach Kerndurchmesser Resonanzen aus, die auch schon ohne angeschlossene Last (Antenne, Widerstand etc.) deutlich unter 50 Ohm liegen kann, glücklich für den Anwender bei dem dieses Verhalten außerhalb der genutzten KW-Bänder liegt. Ich habe in der Praxis zig Versuche mit unterschiedlichen Kernmaterialien, Durchmesser, aufgebrachten Windungen, Drahtdurchmesser gemacht. Dabei bildete sich nach und nach eine Vorgehensweise heraus die immer mehr zum Erfolg führte. Die sind: Primär-und Sekundär-Wicklung so dicht wie möglich beieinander oder besser übereinander. Die Windungen gleichmäßig über den Kern zu verteilen bescherrt einem den schlechtesten Wirkunggrad mit geringster Ausgangsspannung und schlechtestem Frequenzgang. Dann kam mir eine Idee die ich noch nicht ausprobiert hatte. Warum nicht nach den vielen frustierenden Versuchen noch einen mit Kupferbandfolie anstatt mit Draht zu machen, wie man sie gerne als selbstklebend für EMV-Abschirmmaßnahmen nimmt. Diese Folie, primär und sekundär, übereinander auf den Kern gewickelt. Mein selbstklebendes 25 mm Kupferband war viel zu breit um es auf den 140er Kern aufzuwickeln. Also ersteinmal unten und oben ganzflächig mit Tesafilm gegen Berührung untereinander isoliert und dann der Länge nach auf ca. 12,5 mm Breite mit der Schere in zwei Hälften geschnitten. Vorher aber kurze Drahtstücke im Winkel von 90° Grad angelötet, denn die HF muss ja irgendwo rein in die Wicklung! Nach dem Wickeln wurde nachgemessen. Als Messgeräte stehen ein Noice-Source (Rausch-Generator 100 KHz – 1 GHz, China) Hameg HF-Signal-Generator, NF-Signal-Generator und ein Magnova-Oszilloskop (350 MHz mit FFT-Funktion) und das MetronVNA (wird nicht mehr hergestellt) zur Verfügung. Alle Generatoren führen zum gleichen Ergebnis. dabei war das Magnova-Ostilloskop die größte Hilfe, denn man konnte gleichzeitig die beiden Spannungen (vor und hinter dem Balun) und die daraus reultierenden FFT-Funktionen auf dem Bildschirm darstellen. Zusätzlich einblendbare Cursor ermöglichten ein gezieltes Ausmessen der dargestellten Kurven.

ca. 112cm langes Kupferband, oben und unten mit Tesa isoliert und ein 140er Kern sind die Grundlage für den 1:49 Balun, kurze rausgeführte Drähtchen als Anschluss anlöten nicht vergessen.
…der Balun war recht schnell gewickelt. 14 Wdg sek. werden als erstes aufgebracht, direkt darüber, mit „A“ beschriftete BNC-Buchse endet auf 2 Wdg. Primärwicklung, mit Tesefilm gegen Abwickeln fixiert. Die im Bild sichtbare BNC-Buchse „B“ ist ebenfalls mit 2 Wdg. Kupferband auf den Kern gewickelt und soll später anhand von den Messergebnissen darstellen wie drastisch der Unterschied zwischen diesen beiden Einspeisemöglichkeiten ist. Die rechts im Bild sichtbare Messauskopplung (gelbe Tastkopfmarkierung, wird auch im Oszillogramm als gelbe Kuve dargestellt) es kann somit schnell zwischen „A“ und „B“ umgeswitcht werden, um Vergleichsmessungen zu ermöglichen. An der Sekundärseite (links im Bild) ist ein 10 K-Poti angelötet und wird auf bestes SWR eingestellt. Die Einstellung war nicht wie erwartet bei 2450 Ohm sondern bei 2000 Ohm am optimalsten. Wird der Testaufbau allerdings an „B“ angeschlossen muss das Poti auf ca. 1150 Ohm eingestellt werden um optimales SWR zu erhalten. Da zeigt sich schon das es große Unterschiede bei der Plazierung der Spulen gibt.
Rauschgenerator an BNC-Buchse „A“…mit dem SWR kannman mehr als zufrieden sein.
…Versuchsaufbau „B“.
Signal-Einspeisung an Buchse „B“, kurz mit Poti auf bestes SWR eingestellt, durchaus OK! Aber die im nachfolgenden Spannungsmessungen mit dem Oszilloskop erzählen was ganz anderes!
Anschluss an „A“…auch in den oberen Bändern arbeitet der Balun ! Dieser Balun braucht keinen Kondensator am Eingang so wie man es unter Umständen von anderen Bauvorschlägen kennt. Versuche mit unterschiedlichen Werten brachten keine Verbesserung! In diesem Bild sekundär (Poti) ohne Tastspitze vom Oszilloskop…selbst die Tastspitze hat sichtbar Einfluss auf die Messung…aus eigener Erfahrung…man kann vieles falsch machen!

…gelbe Kurve eingespeistes Signal…blaue Kurve Ausgangssignal. In der unteren Bildhälfte…am Cursor kann man ablesen das es bei 7.3 MHz einen Pegel-Unterschied von ca. 14,9 dbm gibt. Bei 24 MHz ist er noch größer. In der oberen Bildhälfte sieht man die vom Oszi generierten Peak/Peak Spannungswerte, hier genau in der Bildmitte mit „T“ bezeichnet ist der Triggerpunkt…als kleine Unregelmäßigkeit im Rauschen zu erkennen. Dieser Balun geht bis 50 MHz. Ich habe alle Messungen am Balun und nicht an einem Unun gemacht also an einer Potentialtrennung zwischen primär und sekundär Wicklung. In der Praxis kann man sich dann überlegen die Masse von primär mit Sekundär zu verbinden. Beim Messen mit dem Oszi kam sekundär eine Masse über die Masse vom Tastkopf. Und bei diesem Kupferband-Balun spielt es sogar eine Rolle an welcher Seite von der Sekundärwicklung die Masse angeschlossen wird.
…gleicher Versuchsaufbau, aber gedrehte Masse an der Sekundärseite. Dadurch das die Wicklungen übereinanderliegen wirken sich Massen zwischen den Wicklungen entsprechend aus.
…Versuchsaufbau „B“, Einspeisung an der gegennüber liegenden Spule im Kern. Bei 7,3 MHz…zufriedenstellender Signalverlauf. Aber schon bei 17 MHz ist die Ausgangsspannung unterhalb der Eingangsspannung, das ist schlecht!
…gleicher Versuchsaufbau „B“,mit gedrehter Masse an der Sekundärseite, Unterschiede zum vorangegangenen Bild sind deutlich sichtbar, hier ist schon bei unter 15 MHz Schluss mit Lustig. Die gelbe Kurve in der unteren Bildhälfte ist der Spannugsverlauf an der Primärseite und sagt direkt etwas über den Impedanzverlauf bezogen auf den 50 Ohm-Generatorausgang aus. Interpretieren möchte ich das nicht weiter, dazu müsste ich einen 50 Ohm Widerstand anstelle des Balun anschließen und ich würde dann eine gerade gelbe Kurve bekommen.

Vielleicht kann ich euch ermutigen auch mal den eigenen Balun durchzumessen und nicht nur seinem VNA oder seinem SWR-Meter zu vertrauen. Entscheidend ist schließlich das was Hinten rauskommt. Die Praxis wird es dann zeigen!

Jürgen, DB7JD

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